Tschechischer Kubismus im Alltag. Artěl 1908 – 1935

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Tschechischer Kubismus im Alltag. Artěl 1908 – 1935 im Grassi Museum Leipzig

Zugegebenermaßen hatte das Künstlerkollektiv Artěl nie einen solchen Erfolg wie die Wiener Werkstätte oder das Bauhaus. Doch spielten auch die Designer und Künstler, die sich im Artěl Kollektiv organisierten, eine bedeutende Rolle für die Entwicklung der europäischen Kunst und des Kunstgewerbe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dies gilt insbesondere für ihre Beiträge im Feld des “3D Kubismus” – und das hinsichtlich Produkt Design sowie Architektur.

Die Ausstellung “Tschechischer Kubismus im Alltag. Artěl 1908 – 1935″ zeigt eine breitgefächerte Retrospektive der Gruppenarbeit und trägt somit dazu bei ihre Bedeutung innerhalb der Entwicklung angewandter Kunst in Europa zu verorten.

Erstmals gezeigt wurde die vom Museum of Decorative Arts in Prag kuratierte Ausstellung 2008 anlässlich des 100. Geburtstags von Artěl. Leipzig ist nun – nach Gent und Valencia – die letzte Station für die Ausstellung.

Vor der Ausstellungseröffnung sprachen wir mit Dr. Helena Koenigsmarková, Direktorin des Museum of Decorative Arts in Prag über Artěl und die Ausstellung.

Grassi Blog: Um am Anfang zu beginnen… Warum kamen die Künstler und Designer von Artěl ausgerechnet im Jahr 1908 zu ihrer Gründung zusammen?

Dr. Helena Koenigsmarková: In dieser Periode zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es einige solcher Gruppen, so wie auch die Wiener Werkstätte oder das Bauhaus. Die Architekten, Künstler, Textildesigner etc., die Artěl gegründet haben, waren alle noch sehr jung – gerade einmal Anfang 20 – und sie wollten den aufstrebenden Geist, der sich zu der Zeit in Europa verbreitete, auch für das moderne Prag nutzen, um so lokale Produkte und Künstler auf dem Markt zu etablieren.

Grassi Blog: Warum kamen sie aber nie zu dem gleichen Erfolg wie ihre Kollegen von der Wiener Werstätte oder vom Bauhaus?

Dr. Helena Koenigsmarková: Artěl wurde in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gegründet, in den folgenden Jahren dann bildete sich die Tschechoslowakei, weshalb die Künstler in den 1920er Jahren keinerlei Unterstützung vom Staat erhielten. In finanzieller Hinsicht war es also sehr schwierig für das Kollektiv und so war die Entscheidung sich im Jahr 1935 aufzulösen auch eine in erster Linie ökonomische Entscheidung.

Grsasi Blog: Das Grassi Museum in Leipzig ist die einzige Station für die Ausstellung in Deutschland. Wie kam es zu der Wahl?

Dr. Helena Koenigsmarková: Für das Artěl Kollektiv war die Beziehung zum Grassi Museum und insbesondere zur Grassimesse naturgemäß sehr wichtig, da Artěl 1927 auf der Grassimesse vertreten war. Aber auch wir als Museum of Decorative Arts haben verschiedene Partnermuseen innerhalb Europas, mit denen wir, wenn es  möglich ist, natürlich bevorzugt kooperieren.

Grassi Blog: Und als letzte Frage: Haben Sie ein Lieblingsobjekt in der Ausstellung?

Dr. Helena Koenigsmarková: Für mich persönlich sind das die Spielzeuge, da ich in der Vergangenheit besonders mit ihnen gearbeitet habe und für ihre Positionierung im Katalog verantwortlich war. Ich denke, ich war schon immer von ihnen angezogen – sie haben Charakter. Es sind wunderbare, einzigartige Stücke. Sie sind modern und sind doch auch offensichtlich von traditioneller Volkskunst beeinflusst.

Tschechischer Kubismus im Alltag. Artěl 1908 – 1935

25.03-3.10.2011 im Grassi Museum für Angewadte Kunst in Leipzig, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig.

Zusätzlich zur Ausstellung bietet das Grassi Museum ein breites Rahmenprogramm mit Begleitveranstaltungen und Führungen.

Mehr Informationen gibt es unter: http://www.grassimuseum.de

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Dr. Helena Koenigsmarková inspiziert die Ausstellung im Leipziger Grassi Museum
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